Tips zum Textsatz - Texte selbst formatieren

Tips zum Textsatz

Wenn Sie Ihren Text selbst in eine ansprechende, gut lesbare Form bringen möchten, können Sie die folgenden Hinweise beachten.
Natürlich steht es Ihnen frei, Ihr Manuskript ganz nach Belieben zu gestalten (oder setzen zu lassen), diese Regeln haben sich jedoch zum Teil über Jahrhunderte hinweg bewährt, daher erscheint es sinnvoll, sie zumindest einmal bedacht zu haben.

Im ersten Teil finden Sie Empfehlungen zum Einrichten der Seite (Format) und zur Auswahl der Schrifttype. Im zweiten Teil erfahren Sie mehr über das Bearbeiten des Textes selbst ...

Die Textbreite sollte nach Möglichkeit 8-9cm nicht übersteigen. Der Grund dafür ist einfach: Bei einer normalen Leseentfernung (ca. 30cm) kann der Durchschnittsleser eine Zeile von ca. 8-9cm Breite ohne Augenbewegung aufnehmen - das Lesen ist also entspannter. Das ist auch der Grund dafür, dass Sach- und Fachbücher mit großem Format oft zwei- oder sogar dreispaltig gesetzt werden: Man will den Raum auf der Seite gut ausnutzen (vor allem natürlich für die Fotos), den Leser aber nicht mit unnötig langen Zeilen ermüden. Je kürzer die Zeile ist, umso leichter ist sie zu erfassen ...

Lassen Sie genügen Rand: Die Seite wirkt sonst beim Draufschauen leicht zu dunkel (und damit abschreckend). Viele Bücher aus Kleinstverlagen werden, um Papier zu sparen, mit extrem kleinen Rand gedruckt. Das wirkt meistens billig (genau das ist es ja auch) und wenig ansprechend. Der innere Rand (da, wo die Seiten zusammenstoßen) sollte etwas schmaler als der äußere Rand sein, weil bei einem aufgeschlagenen Buch die beiden inneren Ränder als eine gemeinsame Weißfläche wahrgenommen werden und zusammen ungefähr so breit sein sollten wie einer der äußeren Ränder.
Der obere Rand ist etwas kleiner als der untere, weil meistens unten die Seitenzahlen stehen und damit die Weißfläche etwas "abdunkeln", außerdem werden Bücher meistens unten gehalten und umgeblättert.

Wählen Sie eine Schrifttype, die nicht zu dunkel ist (idealerweise für den Satz genau Ihres Texttyps entwickelt wurde), eine zum Textumfang passende Laufweite besitzt und sich im Notfall etwas stauchen oder strecken lässt (Laufweiten-Änderungen), um Überhänge zu vermeiden.
Beispiel: Die Schriftart Times wurde von der gleichnamigen Zeitung entwickelt, um möglichst viel Text auf dem (teuren) Zeitungspapier unterzubringen. Sie ist darauf getrimmt, bei relativ engem Satz ein ausgeglichenes Schwarzbild (also eine möglichst gleichmäßige Graufläche bei zeitungstypischem Satz) zu erzeugen. Für den Buchsatz eignet sich "Times" daher nicht wirklich gut: Sie läuft sehr eng (was das Lesen längerer Texte etwas anstrengender macht), lässt sich nur begrenzt dehnen oder stauchen (um Witwen und Waisen zu vermeiden - ein Zeitungsredakteur kann seinen Text "auf den Buchstaben genau" in der Länge anpassen, kaum ein Romanautor kann das aber!) und bei der üblichen Zeilenlänge im Buch ist ihr Schwärzegrad (das "Gewicht" der breiteren Striche) ungünstig. Dennoch werden viele Bücher (vor allem in Kleinstverlagen) in "Times" gesetzt, weil wir uns mittlerweile durch Computerausdrucke an diese Type gewöhnt haben. Um Seiten zu sparen ist sie ja auch wirklich gut geeignet ...

Generell sollten Sie für längere Texte, vor allem für erzählende Literatur, Schrifttypen mit Serifen wählen (das sind die kleinen Häkchen unten an den Buchstaben). Die Serifen erfüllen zwei Zwecke: Sie füllen die Weißfläche etwas besser aus (das Schriftbild wirkt gleichmäßiger) und sie führen die Augen beim Lesen in der Zeile (wie Schienen).
Viele Autoren wollen durch die Wahl einer serifenlosen Schrift ("Sans Serife", z.B. Helvetica u.ä.) "modern" erscheinen - der Inhalt eines Textes wird aber kaum durch die Wahl der Schrifttype verändert, eher schon die Aufnahme desselben. So kann ein "sachlich-nüchterner" Text durch eine serifenlose Schrift besonders "kühl" erscheinen. Das kann bei Sachtexten beabsichtigt sein, bei erzählenden Texten aber wohl eher selten.
Verwenden Sie grundsätzlich nur eine Schrifttype - selbst Überschriften sollten möglichst nicht in einer fremden Schriftart gesetzt werden, eher in Fettdruck oder kursiv. Setzen Sie Fettdruck im laufenden Text möglichst gar nicht ein (es sei denn, um einen Merksatz besonders hervorzuheben o.ä.). Verwenden Sie Kursivdruck nur für ganz bestimmte Zwecke (und dann durchgängig), z.B. für Gedanken, für Lieder oder Zitate. Spielen Sie nicht mit den Schriften, bleiben Sie nüchtern ...
Die Schriftgröße sollte in der Regel (erzählende Literatur) zwischen 10 und 12 Punkten groß sein (gemeint sind hier Schriftsatz-Punkte, nicht Pixel!). Natürlich dürfen Kinder-, Fach- und sonstige Sonderformate abweichen.

Ein Einschub zur "Normseite": Bei einer Zeilenbreite von etwa 8cm, ca. 34 Zeilen auf einer Seite und einer 11-Punkt-Schrift, also einem normalen "Satzspiegel", der für Taschenbücher und Hardcover der erzählenden Literatur gebräuchlich ist, ergibt sich ganz automatisch ein Zeichenumfang von ca. 1600 Zeichen pro Seite ... es passt also!

Im zweiten Teil erfahren Sie mehr über das Bearbeiten des Textes ...